Freitag, Oktober 31, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 35

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Dojczland

Andrzej Stasiuk wurde 1960 geboren, wuchs in Warschau auf und ist einer der wichtigsten Autoren Polens. Sein Werk „Dojczland“ ist eine eigenwillige Betrachtung von Deutschland. Ein Aussenseiter auf seinen Lesereisen durch Deutschland. Doch sind es nicht nur die Momentaufnahmen des landesimmanenten Alltags, nein, der Schriftsteller bleibt hierbei derart außen vor, dass sich Deutschland durch Andrzeys Gedanken, dem Nachgelesenen und dem ihm einst Erzählten scheinbar zweiteilt.

Einige der besten Zeilen:
- Von Sehenswürdigkeiten habe ich immer lieber gelesen, als sie zu besichtigen. Das Besichtigen hat etas Zwanghaftes, da muss man Bewunderung und Interesse heucheln.
- Die Puffs schlafen. Die Pornokinos schlafen. Aufgestanden ist nur wer es vor lauter Kater und Fixerhunger nicht aushielt und nach Rettung sucht.
- Wenn Du wirklich Einsamkeit erleben willst musst du nach Deutschland fahren.
- Ein italienisches Restaurant in Deutschland ist Theater.
- Wahrscheinlich in Berlin oder in Hamburg. Das sind meine Leibelingsstädte. Ziemlich gründlich zerstört und wieder aufgebaut. Deshalb herrscht dort eine so ungezwungene Atmosphere.
- Vor zwei Jahren hatte ich das Rauchen aufgegeben, also blieb mir nur das Beobachten.
- Und ehrlich gesagt fühlte ich mich selbst wie ein Zigeuner aus der Walachai. Ich amüsiere das Publikum, kassierte dafür und hielt am anderen Morgen nach einem Zug Ausschau.

Stasiuk ist ein Reisebericht der anderen Art gelungen. Deutschland auf der Couch. Erschreckend und rührend oder „On the road“ ostwärts.

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Donnerstag, Oktober 30, 2008

Ausdruck der Woche:

Musikblind

Freitag, Oktober 24, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 34

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Goodbye Lemon

Adam Davies, der sich mit seinem Romandebüt "Froschkönig" (zur Rezension Titel links oben eingeben) in mein Herz schoss, der in Kentucky geborene Dozent für englische Literatur, hat sich mit "Goodbye Lemon" dem Thema der Vergangenheitsbewältigung angenommen. Nach fünfzehn Jahren ist Jack Tennant gezwungen in sein Elternhaus zurückzukehren. Er will die Erinnerungen nicht heraufbeschwören, seinem Weg treu bleiben und doch Zugang zu seiner Familie finden. Ein Haus gegen ihn, mit ihm, in ihm? Die Konfrontation mit dem "Früher" kann nur misslingen, oder?

Einige der besten Zeilen:
- Eine Atempause vor der großen Leere.
- Ich war ein ängstlicher Typ, vor Schreck verschwanden meine Haare vom Kopf.
- S.128.
- Es gibt kein Instrumental ohne Instrumente, Hahva.
- Tote Rosen = Befreiung + Duchsetzung * Frieden
(Triumph)
- Unser erster Kuss hätte nicht unter dem flackernden kanariengelben Licht einer Strassenlaterne auf dem Parkplatz einer aus Betonziegeln errichteten Obdachlosenunterkunft stattgefunden, sondern an einem schicken, eleganten Ort, wo es jede Menge Glas, poliertes Leder und geräuschlos spülende Toiletten gab.
- Mit jedem Drink versuche ich meine Traurigkeit auszuatmen.
- Ich will etwas Höfliches sagen, doch mein Mund füllt sich mit Schmutz.
- Sie würde sich gerne von dieser Welt verabschieden: stumm, aber triumphierend.
- Trinken hat deinen Vater erledigt, Jackson, und du bist deines Vaters Sohn. Nun trink schon.

Adam Davies besitzt das Talent herzzerreissende Geschichten zu erzählen, er wählt die treffenden Zwischentöne und Einschübe, lässt einen nicht aus dem Griff seiner Erzählung und vollbringt es erneut den Leser mit feuchten traurig-glücklichen Augen zurückzulassen. Einer meiner Lieblingsautoren.

Übersetzt von Hans. M. Herzog

S.345; Diogenes Verlag; 21,90 Euro.

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Donnerstag, Oktober 23, 2008

Und wenn die ganze Welt zusammenfällt, sei dir gewiss, wird mein Herz weiter für dich schlagen!


(Bild: Jack Vettriano)

Montag, Oktober 20, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 33

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, die ich in der der jeweiligen Woche las.
Heute: Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen

Nokolai Gogol lebte von 1809 bis 1852. Er starb nachdem er sich bei attestierter Schizophrenie aufgrund des Todes seiner Schwester selbst zu Tode hungerte. Gogol war Geschichtsprofessor und ukrainischer Schriftsteller. Die Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen enthalten vier kurze Erzählungen. Neben dem Newski Prospekt, der Beschreibung des Treibens auf der belebtesten Strassen der Ukraine, die Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen, für mich die beste Erzählung dieses Buches. Es ist die unerhörte Geschichte eines Angestellten, der sich auflehnt.

Einige der besten Zeilen:
- Wenn ich einen feinen Frack nach der neuesten Mode anziehe und mir eine Krawatte umbinde, wie du eine trägst, so reichst du nicht an meine Schuhsohle heran. Ich habe bloß keine Mittel, das ist mein Unglück.
- Der Mond wird ja bekanntlich in Hamburg gemacht, und zwar sehr schlecht.
- Ich habe schon längst vermutet, dass der Hund viel klüger ist als der Mensch; ich bin sogar überzeugt, dass er zu sprechen versteht und es nur aus Trotz nicht tut.

Das Buch "Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen" ist systemkritisch, blumig, überaus sprachgewandt und bisweilen irrsinnig.
Das Hörbuch vom Sprechtheater Zürich soll auch zu empfehlen sein.

Insel Verlag, 182 Seiten, 8,50 Euro.

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Donnerstag, Oktober 16, 2008

Irrsinn aus dem Werbespotwelt


Ein Gespräch via supertollem Neuheitenhandy:
Sie: "Ich liebe Dich."
Er: "Hi."
(Bild: Jack Vettriano)

Freitag, Oktober 10, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 35

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Weisse Nächte

Der 1881 in St.Petersburg verstorbene russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski, dem Nobelpreisträger J. M. Coetzee 1993 mit seinem Roman "Der Meister von Petersburg" ehrte, hat 1849 eine herzzerreissende Liebesgeschichte niedergeschrieben. Der Ich-Erzähler und Nastenka treffen sich zufällig und erzählen sich ihr Leben. Sie nähern sich an und lernen sich in nur vier Nächten zu lieben, bis etwas fast Vorhersahbares geschieht.

Einige der besten Zeilen:
- Ich bin ein Träumer; mein Leben ermangelt dermaßen der Realität, dass solche Augenblicke wie dieser, wie der jetzige, für mich die größte Seltenheit sind und es mir ein zwingendes Bedürfnis ist, mir diese Augenblicke in meinen Träumereien immer wieder vorzuführen.
- ich weiss ja, Sie ist imstande, Feuer zu fangen wie Schießpulver.
- Aber wer hat ihnen gesagt, dass ich eine Lebensgeschichte habe?
- S.42
- Aber wie doch Glück und Freude einen Menschen verschönern.
- Wenn sie fühlen, dass ihre Liebe groß genug ist, um die frühere aus meinem Herzen zu verdrängen....
- Meine Nächte endeten mit einem Morgen.

„Weisse Nächte“ lässt das Herz pulsieren, aufgeregter und ruhiger schlagen, mitfühlen und vermag Tränen hervorzubringen. Dostojewski war ein Meister der Sprache und der gewaltigen Zwischentöne.

Übersetzt von Hermann Röhl.

110 Seiten; Insel Verlag; 6 Euro.

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Donnerstag, Oktober 09, 2008

Wenn Du bei Dir bist bist Du dann bei Dir?

Mittwoch, Oktober 08, 2008

Treibjagd 72

Dienstag, Oktober 07, 2008

Fernsehdialog

"Wen findest Du besser?"
"Die Brünette."
"Du meinst die Scharzhaarige."
"Nein."
"Also die Blonde?"
"Nein."
"Was denn?"
"Is mir egal."
"Frauen halt."
"Ja."

Freitag, Oktober 03, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 34

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Wer die Nachtigall stört...

Harper Lee, 1926 in Alabama geboren, Freundin, sowie Rechercheassistentin von Truman Capote und aufgrund dieses Romans 1961 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, erzählt von der Erziehung der kleinen „Scout“ im tiefen Süden der USA. Moral und Werteverständnis sind die Schlüsselbegriffe, welche nicht nur durch einem Gerichtsprozess, in dem ein Schwarzer der Vergewaltigung einer neunzehnjährigen Weissen beschuldigt wird, auf Herz und Nieren geprüft werden. Ein Buch voll Hoffnung und Spannung, düster und leuchtend.

Einige der besten Zeilen:
- ..aber manchmal ist die Bibel in Hand eines bestimmten Mannes schlimmer als eine Flasche Whiskey...
- ..Gott liebt Menschen so, wie sie sich selbst lieben.
- Aber Kummer macht müde.
- Leute, die ohne Zweck und Ziel spazierengingen, galten in Maycomb für unfähig, sich auf irgendeinen Zweck oder irgendein Ziel zu konzentrieren.
- Ein Pöbelhaufen besteht immer aus Menschen.
- S. 290
- Sie haben es vorher getan, sie haben es heute getan und sie werden es wieder tun. Und wenn sie´s tun, weinen anscheinend nur Kinder. Gute Nacht.
- Wenn du in einer Anwaltsfamilie bist, lernst du als erstes, dass es auf nichts eine endgültige Antwort gibt.

„Wer die Nachtigall stört..“ ist ein wunderbar atmospherisches Werk, dass an den entscheidenden Stellen viel mehr auf den Weg gibt, als augenscheinlich ist. Angeblich soll Truman Capote große Teile des Romans verfasst haben. Harper Lee schrieb bis heute kein weiteres Buch.

„Wer die Nachtigall stört...“ wurde bereits 1962 von Robert Mulligan mit Gregory Peck als Atticus verfilmt und für den Oscar nominiert.

Übersetzt von Claire Malignon
406 Seiten; Rowohlt Taschenbuch Verlag; 8,90 Euro

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