Freitag, Mai 29, 2009

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 51

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Die Grasharfe

Truman Capote, einer der größten Schriftsteller, die Amerika jemals hervorbrachte, hat 1951 ein Buch verfasst, in dem die Essenz all seines weiteren Schaffens liegt. Die Grasharfe ist die Geschichte des Waisen Collin, der bei zwei älteren Frauen aufwächst, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Im Streit schlägt sich Collin nicht nur auf die Seite von Dolly, sondern bringt damit das ganze Dorf in Aufregung. Ein Roman über Selbstbestimmung, Gruppenzwang und Freiheit.

Einige der besten Zeilen:
- Seit dem Begräbnis hatte Papa Dinge zerschlagen, nicht aus Wut, sondern ruhig und gründlich.
- Ihre üblen Launen durchkrochen das Haus gleich einem trüben gelben Nebel.
- Die Antwort, die sich eine kleine Weile verzögerte, war bebend wie der Flügelschlag einer Motte.
- ...ich selbst habe sie niemals gesehen, aber die Leute sagten, dass sie eine schöne Frau gewesen war, ehe sie anfing, eine Brille zu tragen.
- Reverend Buster räusperte sich, und seine Hände, die er aneinanderrieb, machten ein trockenes, schabendes Geräusch wie Insektenfühler.
- Wenn man hören kann, wie die Zeit vergeht, scheint einem der Tag länger.
- Wir müssen unsere Position kennen, um sie verteidigen zu können.
- Manchmal scheint es mir, als ob alle, die ich jemals schuldig gesprochen habe, die eigentliche Schuld auf mich gehäuft hätten, und in gewisser Weis ist es das, was mich wünschen lässt, einmal bevor ich sterbe, wirklich gerecht und auf der richtigen Stelle zu sein.
- Ihre Furcht kribbelte durch meine Hände.
- Wenn sich einmal alles verändert hat, gibt es kein Zurück, die Welt wusste um uns.
- Und es war, als ob sie mit ihrem inneren Blick auf einen endlosen Wüstenweg zurückschaute.

Die Grasharfe ist ein Ereignis. Ein sprachliches Feuerwerk, aber ich glaube über Capote ist bereits genug gesagt oder geschrieben worden.

208 Seiten, Suhrkamp Verlag, 7,50 Euro.

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Montag, Mai 25, 2009

So.


Dieser dunkle Fleck in mir,
kein Zweck sich zu sorgen,
ich weiss
und trotzdem immer wieder von hinten überraschend,

Dieses Feuer in mir,
kein Problem es zu kontrollieren,
ich weiss,
und dann bricht es wieder aus.

Diese Unruhe in mir,
keine Gefahr,
ich weiss,
und trotzdem zerhagelt es mich bisweilen.

Dieses Leben,
kein stetiges Auf,
ich weiss,
aber das Gute überwiegt.

Dienstag, Mai 19, 2009

He´s been compared to......

Freitag, Mai 15, 2009

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 50

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Väter und Söhne

Iwan Sergejewitsch Turgenjew wurde 1818 auf dem Gut Spaskoje geboren und starb 1883 in Paris. Er gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, der gerade das Verständnis für die sowjetische Vergangenheit wie kein anderer einzufangen vermag.
Der 1862 erschiene Roman „Väter und Söhne“ ist von einer der Bewegungen des damaligen Russlands durchdrungen, dem Nihilismus. Ebenso ist er ein zeitkritisches Dokument der vorherrschenden Schichten, welche im Wechselspiel des eigentlichen Protagonisten Basarow und den Brüdern Kirsanow mit ihren Vätern und anderen Weggefährten aufgegriffen wird.

Einige der besten Zeilen:
-Arkadij erzählte eine Petersburger Neuigkeit, empfand jedoch eine gewisse Befangenheit; jene Befangenheit, die sich gewöhnlich eines jungen Mannes bemächtigt, wenn er eben den Kinderschuhen entwachsen ist und an den Ort zurückkehrt, wo man gewöhnt ist, ihn als Kind zu betrachten und behandeln.
- Nirgends vergeht die Zeit so schnell wie in Russland; im Gefängnis sagt man, soll sie noch schneller vergehen.
- Doch in seinen sehr schönen dunklen Augen spiegelte sich nichts außer dem Licht der Sterne.
- „Eine Zeichnung kann mir anschaulich zeigen, was im Buch auf vollen zehn Seiten geschildert wird.“
- „Bessert die Gesellschaft und es wird keine Krankheiten mehr geben.“
- Die Zeit – das ist eine bekannte Tatsache – fliegt manchmal wie ein Vogel und kriecht manchmal wie ein Wurm, doch dem Menschen ist es besonders wohl, wenn er gar nicht merkt, ob sie schnell oder langsam vergeht.
- Ein Leben gegen das andere. Hast du meines genommen, gib auch deines her, und dann ohne Bedauern und unwiderruflich. Sonst lieber überhaupt nicht.
- Die Erscheinung einer Torheit ist häufig sehr nützlich im Leben; sie lockert die allzu straff gespannten Saiten und ernüchtert die selbstgefälligen und selbstvergesslichen Gefühle, indem sie ihnen ihre nahe Verwandtschaft mit diesen in Erinnerung bringt.
- S. 149
- Und sie begann kindlich, unschuldig zu weinen und lachte dabei still über ihre Tränen.
- Ist ein altes Ding der Tod, aber doch für jeden neu.

Turgenjews Roman ist sicher alles andere als leichte Kost. Auch ist es ein Buch über die Vergangenheit, doch ist das Werk nicht nur aufgrund seiner Sprache, wie der Charakterentwicklung als Weltliteratur zu bezeichnen.


238 Seiten ;Insel Verlag; 9 Euro.

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Donnerstag, Mai 14, 2009

Du und Ich


Damals,
erinnerst du dich mein Herz,
der Moment,
es galoppierte wie verrückt,
dann,
warst du wieder weg,
und,
es schlug wieder gleichmäßig,
aber,
goldener Glanz verblieb in meinen Augen.

Freitag, Mai 08, 2009

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 49

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Flug der Pelikane

Der siebenundzwanzigjährige Benjamin Lebert, an den sich so mancher nach dem großen Erfolg seines mit Roberto Stadlober verfilmten Debütromans „Crazy“ erinnert, hat sein viertes Buch verfasst. Zum ersten Mal widmet er sich nicht seinem Steckenpferd, der Pubertät, sondern schickt seinen Ich-Erzähler zu seinem „Onkel“ nach New York. Hier lernt er die wahre Geschichte der Flucht von Alkatraz kennen.

Einige der besten Zeilen:
- Ich habe nicht ihren harten Pulsschlag, der einen durch die Nacht peitscht.
- Sie veröffentlichte Sachbücher für Frauen mit Titeln wie „Überzeuge dich selbst, dann bist du überzeugend“.
- „Ziemlich genau zu dieser Zeit trat aber dann sowieso eine andere, weit größere Leidenschaft von mir auf, die es eh unmöglich für mich gemacht hätte, Boxweltmeister zu werden – das Essen.“
- Physik ist die Lehre der Zustände und Zustandsänderung. Dieser Satz hat mir immer gefallen. Es war auch mein größter Trost, als ich mei9n Physikstudium aufgab – Zustandsänderung.
- Da stand auch, dass die meißten Menschen annehmen, man müsse sich im kalten Wasser bewegen, um den Körper zu bewegen.
- Und ich hatte wieder mal den Eindruck, deutlich die unsichtbare persönliche Schutzhülle erkennen zu können, die die meißten Leute in Großstädten wie New York scheinbar selbstverständlich um sich herum aufgebaut haben, während sie unterwegs sind. Sie gehen damit zur Arbeit , sitzen dann nebeneinander in der U-Bahn.
- Und wie er da so fest und breitbeinig dastand in dieser finsteren, nassen Trostlosigkeit, da wirkte er mit einem Mal auf mich, als sei er selbst ein kleiner, sturmumtosender Felsen.
- Weißt du, ein toter Mensch ist wie ein Saal, in dem ein Fest zu Ende gegangen ist. Ein rauschendes Fest.

Flug der Pelikane ist im Grunde drei Bücher. Ein Jugendlicher im Ausland, der Kosmos einer Pancake-bar und die Geschichte der Flucht aus Alkatraz. Rührseelig, amerikanisch, witzig und eine Paul Austers Stil ähnliche Geschichte.

185 Seiten, Kiepenheuer & Witsch Verlag, 18, 95 Euro.

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