Dienstag, Juli 29, 2008

Wenn man weiss, was man sich ist, ist man nie allein!

Montag, Juli 28, 2008

Zukunftsaussichten


In, der meiner Wohnung nächstgelegenen, Filiale der Hypovereinsbank sind sie nicht nur so nett und öffnen mir ,sogar fünf Minuten nach Ladenschluss die Tür, nein, manchmal findet sich hier auch Erwähnenswertes:

Ein ,deutlich von Jahren gezeichneter Mann schlurft, von einer Hilfskraft begleitet, an den Schalter. Die Bankangestellte begrüßt ihn freundlich.

"Guten Tag Herr Doktor Reichenberger."
"Ich grüße sie."
"Und wie geht es Ihnen?"
"Schlecht! Das Alter ist grausam."

(Bild: Picasso)

Freitag, Juli 25, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 29

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich die jeweilige Woche gelesen habe.
Heute: Die Angel meines Großvaters

Gao Xingjian wurde 1940 in Ganzhou in Ostchina geboren, ist heute französischer Staatsbürger und gewann im Jahre 2000 für Viele überraschend den Literaturnobelpreis. In seinem Erzählband spinnt er Geschichten über Liebe, Sehnsucht, den inneren Kampf, wie die Hoffnungslosigkeit und durch seine Metaphern breiten sich beim Lesen, nicht nur große Landschaften und Städte, sondern vielmehr tiefe Gefühle ein. Eine Rückkehr nach Jahrzehnten, ein vermeintlicher Schwimmunfall oder ein belauschtes Gespräch packen Einen in der Brust, dass man sich inmitten der Handlung befindet und alle Sinne in Gao´s Welten gleiten.

Einige der besten Zeilen:
- Abgeholzte Baumstämme folgen durch die Luft wie Reisstroh, das im Feuer tanzt. Völlig verwirrte Leoparden schossen aus dem Feuer hervor und stürzten sich panisch in den Fluss. Sie schwammen genau auf uns zu.
- Der Tod ist überhaupt nicht schrecklich, alles, was man empfindet, ist eine Art leises Bedauern.
- S. 84
- .., dass eine und eins nicht drei ergibt, eins plus eins kann Quantität und Substanz ändern und zu irgendetwas Unerklärlichem anderen werden, aber es ist nicht drei.
- ...und diese Erinnerungen knirschen unter deinen Füßen im Sand.
- Der Kleiderständer steht auf einem Bürgersteig, der menschenleer ist, keine Autos zu hören, alle Läden geschlossen.
- Du musst lernen, wie du leben kannst. Weil Du Leben willst.

Die Angel meines Großvaters ist reine Poesie.
Fünfundzwanzig Jahre ist eine herausragende Erzählung.
Goa ist ein Meister seines Faches.

Übersetzt von Natascha Vittinghoff.
207 Seiten/ Fischer Verlag/ 19,90 Euro

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Mittwoch, Juli 23, 2008

Triebjagd 61

Montag, Juli 21, 2008

Gatnom


Verklebte Augen, triefende Nase, steife Glieder, noch wenig Gedanken - irgendwie keine gute Grundvorausetzung, um in die Hitze eines Montags zu starten - noch dazu da gestern die Erinnerung war.

Freitag, Juli 18, 2008

Krankenhauserinnerungen


"Alles gut?"
"Ja, ich werde heute entlassen und habe morgen eine Date."
"Und wegen was warst Du hier?"
"Ach, meine Blutzufuhr im Hirn ist, seit der Geburt kaputt, da muss ich mir jedes Jahr das Ventil erneuern lassen."
"Viel Glück bei deinen Date."
"Danke schön."

Mittwoch, Juli 16, 2008

Triebjagd 60

Freitag, Juli 11, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 29

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche gelesen habe.
Heute: Deutsches Theater (Orginalausgabe mit zehn neuen Texten)

Der, in Berlin lebende, Autor Benjamin von Stuckrad-Barre, Kult-Dreissiger, modischer Trendsetter und ehemaliger Geliebter von Anke Engelke hat Ende 2001 ein Werk über die Deutschen verfasst. Jetzt ist diese , von der Erzählweise einem Blog verwandte, Geschichtensammlung um zehn Texte erweitert, (Zehn Tage mit Wowereit, Blutspenden mit Vogts, Plattenkauf mit Westbam, Ateliersbesuch bei Immendorf, Bergsteigen mit Borg, Imbiss mit Flimm und weitere) neu aufgelegt worden. Auch mit sechs Jahren Abstand findet sich hier Sprachkunst und typisch Deutsches ohne wirklich an Aktualität verloren zu haben.

Einige der besten Zeilen:
- Nova Meierhenrich, die - man käme nicht von selbst unbedingt darauf - ein Journalistik- Studium abgeschlossen hat, bevor sie begann, Quark zu senden...
-..ohne die Basistragik jeder Existenz zu verniedlichen.
- Jeder Mensch denkt, er täte Thomas Gottschalk einen Gefallen, wenn er mit ihm um irgendetas wettet; Jürgen von der Lippe muss sich gerechterweise an jeder Strassenecke einen Altmännerwitz anhören, und wer immer derzeit mit Günther Jauch zu tun hat, zählt ihm prustend vier mögliche Antworten auf irgendeine Frage auf.
- Seit jeher nutzen Politiker ihre Sommerferien nicht dazu, sich vom Volk und das von ihnen zu erholen, nein in den Sommerferien sind sie den ganzen Tag damit beschäftigt, Bilder von sich"als Menschen" zu produzieren.
- Denkt man sich Berlin an diesem Morgen als verkaterten Menschen, so ist die Stadtreinigung die elektrische Zahnbürste, die er sich mit halb geschlossenen Augen reflexartig in den zerschossenen Kopf steckt.
- Alles an seinem Platz. Ganz schwierig, hier wohnend auf sich aufmerksam zu machen.
- Klaus Wowereit, dass muss man immer mal wieder festhalten, ist homosexuell und regiert die deutsche Hauptstadt gemeinsam mit den verpeilten Kommunisten der Linkspartei.
- Wir laufen ja heute von mrogens bis abends in den gleichen Klamotten rum, in diesen Mehrzweckdingern.

Benjamin von Stuckrad-Barre mag nicht jedem sympathisch erscheinen, aber schreiben kann er. Dazu sind seine "deutschen" Geschichten und deren Protagonisten wohl ausgesucht und vermittelt einen witzigen, ironischen, kritischen Einblick in das Seelenleben einer Republik.
Der Pizzabringdienst, Claus Peymann kauft sich eine Hose und Hofberichterstattung sind meine persönlichen Favoriten.

363 Seiten, Kiepenheuer & Witsch Verlag, 12,95 Euro

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Donnerstag, Juli 10, 2008

Ausdruck der Woche:

Rastplatzrowdys

Dienstag, Juli 08, 2008

Anflug Franz Joseph


Nebelbänke rechts wie links. Ein Zittern ergreift die Tragflächen. Wellenbewegungen über meine Backen. Nasse Hände. Gepolter - So schlimm war es auch nicht.

Freitag, Juli 04, 2008

Maed


Der Schlaf ,
die aus dunkler Erde gewachsene Blume,
Dunkelheit hüllt mich in seine Decke,
der Einband der Nacht.
Kein Platz für Wolken.
Keine Not.
Kein Zwang.
Keine Gedanken.
Ich atme ein und aus.
Atmee aus und ein.
Dann breitete sich meine Seele aus,
und fliegt in diesen schwarzen Sternenhimmel.
Ich reise durch die Zeit in Gedanken.
Mein Unterbewusstsein zeigt Bilder.
Ich kann nichts hören.
Laute sind in Träumen verboten.
Wie kann man etwas behalten ohne musikalische Untermalung?
Morgen werde ich die Bilder vergessen haben.
Jetzt beschäftigen sie mich noch.
Ein Gefühl schwingt in mir nach.
Kälte in meinen Muskelfasern.
Ein Stechen im Herzen.
Irrfahrten im Kopf.

Donnerstag, Juli 03, 2008

Ausdruck der Woche:

Wuttränige Augen

Dienstag, Juli 01, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 28

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche gelesen habe.
Heute, auf vielfachen Wunsch: Am Strand


Der, in London lebende, britische, weltweit geachtete Schriftsteller Ian McEwan hat ein Buch geschrieben, dass zwischen den Zeilen stattfindet. Im Unausgesprochenen liegt die Krux zweier Menschen, welche durch ihre zurückgehaltenen Überlegungen, schleichend Entfernung zwischen sich treten lassen und dies zu allem Überfluß noch in ihrer Hochzeitsnacht.

Einige der besten Zeilen:
- Selbst unter vier Augen galten tausend unausgesprochene Regeln.
- Erst vor einem Monat hatten sie sich ihre Liebe gestanden, und das ar für Florence so aufregend gewesen, dass es sie eine schlaflose Nacht gekostet hatte, in der sich ihr in unbestimmter Furcht die Frage aufdrängte, ob sie nicht zu impulsiv gewesen war und etwas aufgegeben, etwas Wichtiges preisgegeben hatte, das ihr eigentlich gar nicht gehörte.
- Es war ein denkwürdiger Moment, als der vierzehnjährige Edward allein mit seinem Vater im Garten stand und zum ersten Mal hörte, dass seine Mutter hirngeschädigt war.
- Manchmal ist es beschämend, wie wenig der Körper die Gefühle verheimlichen kann oder will.
- Die Wut verselbstständigte sich und steigerte sich bis zur Extase.
- Sie würde darüber nachdenken, was genau sie von ihrer Ehe erwartete, um es Edward dann mitzuteilen, und anschließend würden sie sich auf einen Kompromiß einigen.
- S. 187 - 207

Am Strand funktioniert als Warnung, mahnt zur offenen Kommunikation nach Watzlawik und führt bisweilen zum verständnisvollen Kopfschütteln. Ian Mcewan ist der Meister des Mißdeutens. Wem "Saturday" oder "Abbitte" gefiel, wird seine wahre Freude haben und sich ebenso an der wunderbar klaren Satzkonstruktion laben.

Übersetzt von Bernhard Robben
208 Seiten, Diogenes Verlag, 18,90 Euro

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