Freitag, Mai 15, 2009

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 50

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Väter und Söhne

Iwan Sergejewitsch Turgenjew wurde 1818 auf dem Gut Spaskoje geboren und starb 1883 in Paris. Er gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, der gerade das Verständnis für die sowjetische Vergangenheit wie kein anderer einzufangen vermag.
Der 1862 erschiene Roman „Väter und Söhne“ ist von einer der Bewegungen des damaligen Russlands durchdrungen, dem Nihilismus. Ebenso ist er ein zeitkritisches Dokument der vorherrschenden Schichten, welche im Wechselspiel des eigentlichen Protagonisten Basarow und den Brüdern Kirsanow mit ihren Vätern und anderen Weggefährten aufgegriffen wird.

Einige der besten Zeilen:
-Arkadij erzählte eine Petersburger Neuigkeit, empfand jedoch eine gewisse Befangenheit; jene Befangenheit, die sich gewöhnlich eines jungen Mannes bemächtigt, wenn er eben den Kinderschuhen entwachsen ist und an den Ort zurückkehrt, wo man gewöhnt ist, ihn als Kind zu betrachten und behandeln.
- Nirgends vergeht die Zeit so schnell wie in Russland; im Gefängnis sagt man, soll sie noch schneller vergehen.
- Doch in seinen sehr schönen dunklen Augen spiegelte sich nichts außer dem Licht der Sterne.
- „Eine Zeichnung kann mir anschaulich zeigen, was im Buch auf vollen zehn Seiten geschildert wird.“
- „Bessert die Gesellschaft und es wird keine Krankheiten mehr geben.“
- Die Zeit – das ist eine bekannte Tatsache – fliegt manchmal wie ein Vogel und kriecht manchmal wie ein Wurm, doch dem Menschen ist es besonders wohl, wenn er gar nicht merkt, ob sie schnell oder langsam vergeht.
- Ein Leben gegen das andere. Hast du meines genommen, gib auch deines her, und dann ohne Bedauern und unwiderruflich. Sonst lieber überhaupt nicht.
- Die Erscheinung einer Torheit ist häufig sehr nützlich im Leben; sie lockert die allzu straff gespannten Saiten und ernüchtert die selbstgefälligen und selbstvergesslichen Gefühle, indem sie ihnen ihre nahe Verwandtschaft mit diesen in Erinnerung bringt.
- S. 149
- Und sie begann kindlich, unschuldig zu weinen und lachte dabei still über ihre Tränen.
- Ist ein altes Ding der Tod, aber doch für jeden neu.

Turgenjews Roman ist sicher alles andere als leichte Kost. Auch ist es ein Buch über die Vergangenheit, doch ist das Werk nicht nur aufgrund seiner Sprache, wie der Charakterentwicklung als Weltliteratur zu bezeichnen.


238 Seiten ;Insel Verlag; 9 Euro.

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