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Freitag, April 30, 2010

Buchvorstellung mit Roman L - Augabe 84

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, die ich in der jeweiligen Woche gelsen habe.
Heute: Dein oder mien.

Adam Davies, dessen „Froschkönig“ und vor allem „Goodbye Lemon“ mich restlos überzeugten (bitte Titel oben links in Suchmaske eingeben), hat seinen dritten Roman geschrieben.
In „Dein oder mein“ versucht der Museumswärter Otto sein Leben zu ordnen. Er will seiner Freundin einen Antrag machen, einer Lüge nicht überführt werden, seine weisse Arbeitsweste behalten und den Kunsträuber „die Ratte“ fangen. Fast alles geht daneben.

Einige der besten Zeilen:
- ...und der Anblick und Duft der nackten Charlie, deren Mund sich bewegt, während sie mich ansieht, ist zuviel, und bald habe ich eine schmerzende Erektion in Halbachtstellung, ein Fleisch gewordenes Ausrufezeichen.
- Weshalb fällt es mir so schwer , mich mit anderen Menschen zu unterhalten? Es ist fast so schwer wie schweigen.
- Zurück in meiner Wohnung, erkenne ich, dass ich bei Lichte betrachtet – und zwar bei jeder Wellenlänge und Frequenz des gesamten sichtbaren Spektrums – ein noch größerer Trottel bin, als ich dachte.
- Der Lärm der Lebenden.
- Die Sterne über uns glänzen stumpf wie schmutzige Münzen.
- ..stolpern Charlie und ich hinein: in unseren ständigen, dreifach mit Platin ausgezeichneten Streitgesprächsschlager.

Abenteuerlich, skuril, diebisch.

356 Seiten, Diogenes, 21, 90 Euro.

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Freitag, Oktober 24, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 34

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Goodbye Lemon

Adam Davies, der sich mit seinem Romandebüt "Froschkönig" (zur Rezension Titel links oben eingeben) in mein Herz schoss, der in Kentucky geborene Dozent für englische Literatur, hat sich mit "Goodbye Lemon" dem Thema der Vergangenheitsbewältigung angenommen. Nach fünfzehn Jahren ist Jack Tennant gezwungen in sein Elternhaus zurückzukehren. Er will die Erinnerungen nicht heraufbeschwören, seinem Weg treu bleiben und doch Zugang zu seiner Familie finden. Ein Haus gegen ihn, mit ihm, in ihm? Die Konfrontation mit dem "Früher" kann nur misslingen, oder?

Einige der besten Zeilen:
- Eine Atempause vor der großen Leere.
- Ich war ein ängstlicher Typ, vor Schreck verschwanden meine Haare vom Kopf.
- S.128.
- Es gibt kein Instrumental ohne Instrumente, Hahva.
- Tote Rosen = Befreiung + Duchsetzung * Frieden
(Triumph)
- Unser erster Kuss hätte nicht unter dem flackernden kanariengelben Licht einer Strassenlaterne auf dem Parkplatz einer aus Betonziegeln errichteten Obdachlosenunterkunft stattgefunden, sondern an einem schicken, eleganten Ort, wo es jede Menge Glas, poliertes Leder und geräuschlos spülende Toiletten gab.
- Mit jedem Drink versuche ich meine Traurigkeit auszuatmen.
- Ich will etwas Höfliches sagen, doch mein Mund füllt sich mit Schmutz.
- Sie würde sich gerne von dieser Welt verabschieden: stumm, aber triumphierend.
- Trinken hat deinen Vater erledigt, Jackson, und du bist deines Vaters Sohn. Nun trink schon.

Adam Davies besitzt das Talent herzzerreissende Geschichten zu erzählen, er wählt die treffenden Zwischentöne und Einschübe, lässt einen nicht aus dem Griff seiner Erzählung und vollbringt es erneut den Leser mit feuchten traurig-glücklichen Augen zurückzulassen. Einer meiner Lieblingsautoren.

Übersetzt von Hans. M. Herzog

S.345; Diogenes Verlag; 21,90 Euro.

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Donnerstag, September 06, 2007

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 9

Jede Woche stelle ich Euch Bücher, welche ich in der jeweiligen Woche gelesen habe, vor. Heute: Froschkönig

In seinem zweiten Roman ,nach "Goodbye, Lemon" (noch nicht ins Deutsche übersetzt), erzählt der 1971 in Louisville geborene Dozent und Autor Adam Davies die Geschichte des Verlagsangestellten und Antihelden Harry.
Beeits zu Beginn des Buches scheint es, als ob sich in den Zeilen eine Mischung aus Phillip Djians Werken mit Bret Easton Ellis Romanen vereinigt, woraus diese tragisch-komische Beziehungsgeschichte entstanden ist.
Ein, nicht mehr ganz junger New Yorker Weltverneiner, der Don Quijote-gleich ,im Grunde in all seinen Handlungen den Kampf ,alleinig mit sich selbst, ausficht. Reize und Beziehungsprobleme verhüllen die Sicht des Protagonisten auf das Wesentliche, während für Harry die Flucht zum Stilmittel seiner Lebensführung wird.

Einige der besten Zeilen:
- Es ist dunkel, alle schweigen. In solchen Augenblicken kann man nur an sich selbst denken, an nichts anderes.
- ...mit der Ballettänzerin, die so nett war, dass ihre eigene Persönlichkeit dahinter verschwand.
- Sie fehlt mir (die Unterhose). Ich habe sie immer noch nicht zurück. Sie fehlt mir. Auf der Unterhose war ein Bild der Muppet-Figur Das Tier, und darunter stand die Textzeile Tier will Frau haben.
- Die Luft wird zur Nachtluft - kühler, reumütig.
- Etwas später wird mir klar, wie sie mich vor ihrer Flucht genannt hat; einen blöden Scheiß-Stimpson. Es ist das von mir ausgedachte Wort, das, wie ich ihr einmal im Suff gesagt hatte "Riesenarschloch" bedeutet und mein zweiter Vorname.
- Mich juckt es. Meine Kopfhaut zieht sich über dem Schädel zusammen. Mein Arschloch zuckt nervös, wie die Nase eines Kaninchens, was bewirkt, dass ich mich auf meinem Stuhl winde.
- S.206
- Zurück an der Bar, bestelle ich noch eins. Und noch eins. Und danach noch eins. Ich habe vor, so lange zu trinken, bis ich nichts mehr fühle. Doch das klappt so nicht. Ich fühle einfach immer weiter.
- Dieses erbärmliche kleine New Age/Kenny G/Greenpeace/getönte Sonnenbrillen tragende/koffein-frei Sojamilch-Latte-Cappuccino/Musikzeitschriften lesende/Yanni hörende/vom-Mars-und-Venus-Arschloch! Wie konntest Du nur? Mit mir solltest Du zusammen sein! Mir mir mir mir mir mir.
- Wie werden erwachsene Männer Freunde, ohne auf schmutzige Witze, Alkohol, einem Wettlauf zum Zähneputzen oder einen Wettbewerb, wer mehr coole Wörter kennt, zurückgreifen zu müssen?

Dieser amerikanische Autor schrieb mit "Froschkönig" ,für mich, einen der besten New Yorker Romane seit langer Zeit, welcher mir darüber hinaus am Ende sogar eine Träne abrang.
(Das Buch wird gerade, basierend auf einem Drehbuch des ,von mir sehr geschätzten Bret Easton Ellis, unter der Regie von Darren Starr (Sex & the city) verfilmt.)
384 Seiten / Diogenes Verlag / 19,90 Euro

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