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Freitag, März 04, 2011

Buchvorstellung mit Roman L- Ausgabe 104

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, die ich in der zurückliegenden Woche gelesen habe.
Heute:

Phillip Milton Roth, ständiger Anwärter auf den Literaturnobelpreis, lieferte in den vergangenen Jahren Meisterwerke wie am Fliessband. Verständlich, dass ich, als mir vorgestern sein neuer Roman ins Haus flatterte, sofort lolas. Und so begann er also für mich, der Kampf des pflichtbewussten Sportlehrers Bucky Cantor zu Zeiten des zweiten Weltkrieges.

Einige der besten Zeilen:
- Wenn Alan noch länger im Sarg gebraten würde, dann würde es diesen, so stellte er es sich vor, irgendwie zerreißen, als wäre eine Granate darin explodiert, und die sterblichen Überreste des Jungen würden sich überall im Leichenwagen und auf der Strasse verteilen.
- Eines Tages nun, als Mr. Castros Mutter fünf Jahre alt war, kam sie vom Kindergarten nach Hause, sah die Fische, zog rasch ihre Kleider aus und stieg in die Wanne, um mit ihnen zu spielen.
- "Wir können strenge Richter über uns selbst sein, auch wenn es in keinster Weise angebracht ist. Ein übertriebenes Pflichtbewusstsein kann einen Menschen stark schwächen."
- - für den nicht die Religion eine Pflicht, sondern die Pflicht eine Religion gewesen war -
- Jeder Lebensweg ist dem Zufall ausgeliefert; vom Augenblick der Zeugung an regiert der Zufall - die Tyrannei der Umstände - alles.
- Wenn man Kinder hat, vergisst man, was das Schicksal einem zugefügt hat.
- Für den Erwachsenen ist Spiel Erholung, die Wiederherstellung des Lebens; für das Kind dagegen ist Spiel Wachstum, die Erlangung des Lebens.

Atmosphäre, Spannung, Liebe und Tragik.
Es ist langsam mehr als unheimlich was Roth Jahr für Jahr abliefert.
Erneut ein Meisterwerk.

Übersetzt von Dirk van Gunsteren

219 Seiten; Hanser Verlag; 18, 90 Euro.

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Freitag, April 02, 2010

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 82

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, die ich in der jeweiligen Woche gelesen habe.
Heute: Die Demütigung

Wie jedes Jahr so auch in diesem: Der Neue Philip Roth. Warum Paul Auster und er ihre Bücher seit Jahren in Seitenzahlen begrenzen, darf nur gemutmaßt werden, ist aber letztendlich bei Philip Roth ganz egal. Was er abliefert ist durchweg hohe Kunst. In seinem neuen Werk geht es um das Aufflammen von Liebe und Leidenschaft zwischen einem depressiven Schauspieler hohen Alters und einer vierzigjährigen Frau, die jener bereits Aufwachsen sah. Ein Buch voller Verstörtheit, unausgesprochener Gedanken und Hilfeschreie.
Einige der besten Zeilen:
- ; es gab die alte Anekdote von dem Schauspieler, der immer trank, bevor er auf die Bühne ging, und als man ihm sagte, das dürfe er nicht, erwiderte: „Was soll ich da ganz alleine rausgehen?“
- Er sah sich als James Tyrone auf die Bühne treten, und das Publikum brach in schallendes Gelächter aus. So nackt waren seine Angst und Sorge.
- Es war, wie er schließlich erfuhr, schon eine Weile her, seit sie gekriegt hatte, was sie wollte, anstatt sich mit der grotesken Umkehrung der Reihenfolge zufriedenzugeben und zu nehmen, was sie kriegen konnte.
- „Seien sie gewarnt Mr. Famous: Sie ist begehrenswert, sie ist wagemutig, und sie ist absolut rücksichtslos, absolut kaltherzig, unvergleichlich selbstsüchtig und vollkommen amoralisch.“
- Für die Fehler war allein er verantwortlich, ebenso wie für seine verwirrende Biographie, auf die er aufgespießt war wie auf einem Pfahl.

Abermals ist Philip Roth ein großer Wurf gelungen, auch wenn oder gerade weil dieses Werk sicherlich kein Wohlgefühl auszulösen vermag.

Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren

138 Seiten, Hanser Verlag, 15, 90 Euro.

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Freitag, Februar 06, 2009

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 47

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.
Heute: Empörung

Über Philip Roth ist wohl bereits alles geschrieben worden. Sein neuer Roman "Empörung" ist durch und durch eine Metapher, jedoch soll das niemanden abschrecken, denn er ist großartig. Der junge Marcus Messner ist ein guter Junge, ein sehr guter Student und noch dazu pflichtbewusst, bis ihn die äußeren Umstände mehr und mehr empören.

Einige der besten Zeilen:
- Dann begann ich spontan, mit der Zungenspitze die Tinte der Unterschrift abzulecken, geduldig wie eine Katze an der Milchschale leckte und leckte ich, bis das O, das L, das I, das V, das zweite I und das A verschwunden waren - leckte, bis der letzte schwungvolle Federstrich aufgeleckt war.
- Wie im Leben, kenne ich nur, was ist, und im Tod stellt sich heraus, was ist, ist was war.
- Ich war allein in einem Auto auf einer unbeleuchteten Straße und bewegte meine Hand unter der Bluse eines Mädchens, dessen Zunge sich in meinem Mund bewegte, genau die Zunge, die allein da unten im Dunkel ihres Mundes lebte und jetzt das leichtfertigste aller Organe zu sein schien.
- S. 100
- Am Anfang meines Erwachsenenlebens, bevor alles plötzlich so kompliziert wurde, besaß ich ein großes Talent darin, mit allem zufrieden zu sein.
- Ich hatte sie verloren und nicht wie ich erkannte, weil ihre Eltern geschieden waren, sondern weil meine es nicht waren.
- S. 176
- Das ist es, was Olivia versucht hatte, sie wollte sich nach koscheren Vorschriften umbringen, indem alles Blut aus ihrem Körper fließen sollte.
- Arbeit - bestimmte Menschen lechzen nach Arbeit, nach irgendeiner Arbeit, so hart und unerquicklich sie auch sein mag, um die Härte aus ihrem Leben und die zermürbenden Gedanken aus ihrem Kopf zu vertreiben.

Empörung ist ein gewaltiger Roman über das Zwischenmenschliche, aber das sind Werke von Roth ja nahezu immer. Es ist tragisch, witzig, erotisch und lebensnah und ich bin dankbar, dass dieser große amerikanische Schriftsteller jedes Jahr neuen Lesestoff auf hohem Niveau bietet.

Übersetzt von Werner Schmitz

208 Seiten; Hanser Verlag; 17, 90 Euro.

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Donnerstag, Februar 05, 2009

Ich habe heute den neuen Phillip Roth "Empörung" zugesandt bekommen.


Ich verspreche ihn heute zu lesen und morgen hier eingehend zu besprechen.

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Donnerstag, Februar 21, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 19

Jede Woche stelle ich Euch Bücher, welche ich in der jeweiligen Woche gelesen habe, vor.
Heute: Exit Ghost


Der 1933 in Newark geborene amerikanische Autor und seit Jahren heißteste Anwärter auf den Literarturnnobelpreis, Phillip Roth hat mit „Exit Ghost“ das letzte Kapitel seines aus mehreren Büchern altbekannten Protagonisten, dem Schriftsteller und Nathan Zuckermann geschrieben. Mit einundsiebzig Lenzen zieht es Nathan nach elf Jahren Landleben noch einmal nach New York. Ein Buch über den Wandel, die Vergänglichkeit und die Gefahren für eine wertvolle Lebensführung.

Einige der besten Zeilen:
-Bevor der Tod Dich nimmt, nimm dies zurück.
-Ich war vor einer echten Bedrohung geflohen und war fort, nicht nur um Ruhe zu haben vor dem, was mich nicht mehr interessierte, sondern auch – wer träumt nicht davon? -, um die Fortbestehenden Konsequenzen der Fehler seines Lebens loszuwerden (in meinem Fall waren das mehrere gescheiterte Ehen, heimliche Affären und der emotionale Bumerang erotischer Bindungen)
-Außerdem hatten mich auf den Straßen von New York immer wieder Fremde angesprochen und mir unangenehme Diskussionen aufgedrängt, weil ich in einem Roman etwas geschrieben hatte, was sie faszinierte oder wütend machte oder sie faszinierte, weil es sie wütend machte oder wütend machte , weil es sie faszinierte.
-Er wird nie einen Tag verbringen ohne fünfzigmal an sie zu denken. Sie wird all ihre Nachfolgerinnen turmhoch überragen. Er wird an sie denken bis er stirbt. Er wird an sie denken, während er stirbt.
-Er war ein Kämpfer. Wenn es tagsüber passiert wäre, hätte er die Chance gehabt, den Tod zu besiegen. Aber nachts, im Schlaf? Der Tod hat ihn überrumpelt.
-S.77

Einer der größten Schriftsteller unserer Zeit und einer meiner Lieblingsautoren hat es erneut geschafft seine Tiefe, wie seinen Wortwitz in Zuckermanns Wechselspiel von Grobheit ,als auch Sentimentalität, in einem weiteren Werk zu vereinigen.
Vergesst die Vanity Fair Kritik und (vorher bitte den menschlichen Makel) lest dieses Buch!

Übersetzt aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren
Hanser Verlag/ 297 Seiten/ 19,90 Euro

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