Freitag, März 20, 2015
Montag, November 10, 2014
Freitag, November 05, 2010
Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 99
Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, die ich in der jeweiligen Woche gelesen habe.
Heute: Ein französischer Roman

Das französische Enfant terrible Frederic Beigbeder hat bei sich selbst aufgeräumt. Die Verhaftung aufgrund Dorgenkonsum vor der Diskothek "Le Baron" zum Anlass beginnt er längst vergessene Kindheitserinnerungen heraufzubeschwören, um so sein heutiges Ich zu reflektieren. Eine literarische Autobiographie, wenn man so will.
Einige der besten Zeilen:
- Ich hoffe, dass dieses Buch Ihnen die Flucht ermöglicht, so wie mir in jener Nacht.
- Wenn die Kinder, selbst Eltern geworden, dann endlich wissen wollen, woher sie kommen, antworten die Gräber nicht mehr.
- Die Familie ist eine Abfolge lästiger Pflichten, eine Horde von Menschen, die dich viel zu früh kennengelernt haben, bevor du überhaupt fertig warst - und die Alten wissen natürlich am besten, dass du davon noch immer weit entfernt bist.
- Eine Familie ist eine Gruppe kommunikationsunfähiger Menschen, die einander lautstark ins Wort fallen, sich gegenseitig auf die Palme bringen, die Zeugnisse ihrer Kinder genauso vergleichen wie die Inneneinrichtung ihrer Häuser und sich schon um das Erbe streiten, wenn die Leiche noch warm ist.
- Das Schweigen der Lebenden ist schwerer zu verstehen, als das der Toten.
- Als ich die Klinik verließ, war es so dunkel geworden, als hätte jemand das Licht ausgeknipst.
- Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass alle Märchen mit der Hochzeit enden?
- Es ist schwer, sich von einer unglücklichen Kindheit zu erholen, aber vielleicht unmöglich, sich von einer behüteten Kindheit zu erholen.
- Phantasie ist eine Form der Erinnerung.
- Seit damals benutze ich das Lesen als Mittel, die Zeit zum Verschwinden zu bringen, und das Schreiben als Mittel, sie festzuhalten.
- Der Mensch ist ein Entdecker, aber vielleicht hört er ab einem gewissen Alter einfach auf, nach vorn zu schauen, und dreht sich um. Wenn er sich fortpflanzt, hat er daher einen Führer, um sich selbst noch einmal zu erforschen.
- Der Knast ist wirklich ein super Club zum Kennenlernen.
- Meinen Vater habe ich mit sieben Jahren verloren, meinen Bruder mit achtzehn. Und das waren die Männer meines Lebens.
Schreiend komisch, sentimental, narzistisch und schonungslos.
Übersetzt aus dem Französischen von Brigitte Große
253 Seiten ,Piper Verlag, 19, 95 Euro
Heute: Ein französischer Roman

Das französische Enfant terrible Frederic Beigbeder hat bei sich selbst aufgeräumt. Die Verhaftung aufgrund Dorgenkonsum vor der Diskothek "Le Baron" zum Anlass beginnt er längst vergessene Kindheitserinnerungen heraufzubeschwören, um so sein heutiges Ich zu reflektieren. Eine literarische Autobiographie, wenn man so will.
Einige der besten Zeilen:
- Ich hoffe, dass dieses Buch Ihnen die Flucht ermöglicht, so wie mir in jener Nacht.
- Wenn die Kinder, selbst Eltern geworden, dann endlich wissen wollen, woher sie kommen, antworten die Gräber nicht mehr.
- Die Familie ist eine Abfolge lästiger Pflichten, eine Horde von Menschen, die dich viel zu früh kennengelernt haben, bevor du überhaupt fertig warst - und die Alten wissen natürlich am besten, dass du davon noch immer weit entfernt bist.
- Eine Familie ist eine Gruppe kommunikationsunfähiger Menschen, die einander lautstark ins Wort fallen, sich gegenseitig auf die Palme bringen, die Zeugnisse ihrer Kinder genauso vergleichen wie die Inneneinrichtung ihrer Häuser und sich schon um das Erbe streiten, wenn die Leiche noch warm ist.
- Das Schweigen der Lebenden ist schwerer zu verstehen, als das der Toten.
- Als ich die Klinik verließ, war es so dunkel geworden, als hätte jemand das Licht ausgeknipst.
- Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass alle Märchen mit der Hochzeit enden?
- Es ist schwer, sich von einer unglücklichen Kindheit zu erholen, aber vielleicht unmöglich, sich von einer behüteten Kindheit zu erholen.
- Phantasie ist eine Form der Erinnerung.
- Seit damals benutze ich das Lesen als Mittel, die Zeit zum Verschwinden zu bringen, und das Schreiben als Mittel, sie festzuhalten.
- Der Mensch ist ein Entdecker, aber vielleicht hört er ab einem gewissen Alter einfach auf, nach vorn zu schauen, und dreht sich um. Wenn er sich fortpflanzt, hat er daher einen Führer, um sich selbst noch einmal zu erforschen.
- Der Knast ist wirklich ein super Club zum Kennenlernen.
- Meinen Vater habe ich mit sieben Jahren verloren, meinen Bruder mit achtzehn. Und das waren die Männer meines Lebens.
Schreiend komisch, sentimental, narzistisch und schonungslos.
Übersetzt aus dem Französischen von Brigitte Große
253 Seiten ,Piper Verlag, 19, 95 Euro
Labels: ein französischer Roman, Frederic Beigbeder, rezension
Donnerstag, August 14, 2008
Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 30
Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, die ich in der jeweiligen Woche gelesen habe.
Heute, aus aktuellem Anlass: 39, 90

Frédéric Beigbeder wurde am 1965 in Neuilly-sur-Seine geboren und ist ein französischer Schriftsteller, Moderator, wie Konsumkritiker. Angeblich regte Michel Houellebecq ihn, den Texter einer international agierenden Werbeagetur an, sein Wissen und seine leidvollen Erfahrungen in der Welt des Scheins auf Papier zu bringen.
Anhand des Protagnonisten Octave, der nichts mehr herbeisehnt als seine eigene Kündigung, ist so, 2002 unter dem Orginaltitel "99 francs", eine gnadenlose Abrechnung mit der Werbebrache enstanden. Koks, Sperma, Manipulation und Unmenschlichkeit beherrschen die Seiten.
Einige der besten Zeilen:
- Zum ersten Mal in der Geschichte des Planeten Erde hatten die Menschen aller Länder dasselbe Ziel: genug Geld zu verdienen, um wie die Werbung zu werden.
- ...und dort pisste es aus meiner Nase wie noch nie......
- Was siehst Du aber den Strohhalm in deines Bruders Nase, und die Latte in deiner Hose nimmst Du nicht wahr.
- S. 106
- Statt die Frage nach dem Sinn des Lebens zu beantworten, reproduziert ihr (Frauen) lieber das Problem.
- Respekt ist der Ruin.
- Das ist also das Ende? Und ich hab gerade angefangen, dich zu lieben.
- ...er reicht die Scheidung ein, er will dass wir heiraten, die Totaloperation....
- S. 233
- Vaginales Lachen.
- Ich dachte, ich hätte Angst vor dem Tod, und ich hatte doch Angst vor dem Leben.
"39, 90" ist ein provokantes, abschreckendes Buch, dass einem die eigene Eingegliedertheit in die Konsumwelt vor Augen führt. Es ist ein Schrei nach Normalität, wenn es das gibt. Beigbeders Kritik funktioniert für mich hier besser als in seinem späteren Roman "Der romamtische Egoist".
Das Buch ist gerade von Jan Kounen verfilmt worden.
272 Seiten, Rowohlt Verlag, 9,95 Euro
Heute, aus aktuellem Anlass: 39, 90

Frédéric Beigbeder wurde am 1965 in Neuilly-sur-Seine geboren und ist ein französischer Schriftsteller, Moderator, wie Konsumkritiker. Angeblich regte Michel Houellebecq ihn, den Texter einer international agierenden Werbeagetur an, sein Wissen und seine leidvollen Erfahrungen in der Welt des Scheins auf Papier zu bringen.
Anhand des Protagnonisten Octave, der nichts mehr herbeisehnt als seine eigene Kündigung, ist so, 2002 unter dem Orginaltitel "99 francs", eine gnadenlose Abrechnung mit der Werbebrache enstanden. Koks, Sperma, Manipulation und Unmenschlichkeit beherrschen die Seiten.
Einige der besten Zeilen:
- Zum ersten Mal in der Geschichte des Planeten Erde hatten die Menschen aller Länder dasselbe Ziel: genug Geld zu verdienen, um wie die Werbung zu werden.
- ...und dort pisste es aus meiner Nase wie noch nie......
- Was siehst Du aber den Strohhalm in deines Bruders Nase, und die Latte in deiner Hose nimmst Du nicht wahr.
- S. 106
- Statt die Frage nach dem Sinn des Lebens zu beantworten, reproduziert ihr (Frauen) lieber das Problem.
- Respekt ist der Ruin.
- Das ist also das Ende? Und ich hab gerade angefangen, dich zu lieben.
- ...er reicht die Scheidung ein, er will dass wir heiraten, die Totaloperation....
- S. 233
- Vaginales Lachen.
- Ich dachte, ich hätte Angst vor dem Tod, und ich hatte doch Angst vor dem Leben.
"39, 90" ist ein provokantes, abschreckendes Buch, dass einem die eigene Eingegliedertheit in die Konsumwelt vor Augen führt. Es ist ein Schrei nach Normalität, wenn es das gibt. Beigbeders Kritik funktioniert für mich hier besser als in seinem späteren Roman "Der romamtische Egoist".
Das Buch ist gerade von Jan Kounen verfilmt worden.
272 Seiten, Rowohlt Verlag, 9,95 Euro
Labels: Frederic Beigbeder, neununddreissigneunzig, rezension











