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Freitag, April 22, 2011

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 108

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, die ich in der jeweiligen Woche gelesen habe.
Heute:

Der 1990 verstorbene Italiener Alberto Moravia zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der Welt.
Im Jahre 1955 schrieb er eine Erzählung über den Jugendlichen Luca, der sich gegen das Leben stellt.

Einige der besten Zeilen:
- Er haßte sein Eigentum zwar, seitdem er begriffen hatte, daß es ihn an die Umwelt band, ihn zwang, sie anzuerkennen;
- Die Wipfel schienen hin und her zu laufen wie Menschen in panischer Angst.
- Wollte man leben, so musste man gern in die Schule gehen, Vater und Mutter lieben, Geld sparen, Besitz horten, essen.
- Zuweilen fuhr unten auf der Strasse ein Auto vorbei, wischte wie mit einem Lichtstrahl über die Wände des Zimmers und zeigte Luca den Raum in jäh erhelltem Dunkel.
- Das Wetter wirkte unentschlossen.
- Ja, an dem Tag seiner Geburt hatte er nicht zu leben, sondern zu träumen begonnen, einen schrecklichen, sinnlosen Traum.
- Ein Faden verband ihn mit dem Leben, ein Faden, der immer wieder riß;

Eine sprachgewaltige Gedankenreise in die Tiefe und aus ihr heraus.

144 Seiten; Verlag Klaus Wagenbach; 9, 90 Euro.

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Freitag, Juni 06, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 26

Jede Woche stelle ich euch Bücher, welche ich in der jeweiligen Woche gelesen habe, vor.
Heute: Die Verachtung

Der 1990 verstorbene Alberto Moravia, welcher als einer der größten Schriftsteller Italiens gilt, hat sich, in seinem 1963 erschienen Roman, einem bis heute aktuellen Thema angenommen: der Spagat zwischen Karriere und Liebe.
Ein kunstaffiner Bühnenautor namens Molteni nimmt, um seiner Frau einen gewissen Wohlstand zu bieten, das Angebot zu einem Drehbuch an - Geld zur Einbettung der Liebe. Dies entwickelt sich jedoch exakt gegenteilig und so muss er sich bald mit der zunehmenden Entfremdung seiner Ehefrau auseinandersetzen, oder steckt etwas völlig anderes dahinter?
Einige der besten Zeilen:
-...beherrschte ein glücklicher Automatismus all unsere Beziehungen. Ich erntete bewusst nur die Frucht meines Verhaltens, alles andere spielte sich unbemerkt, wie eine liebe Gewohnheit ab.
- Ich lenkte meinen Wagen wie im Traum. Es war ein hässlicher Traum.
- S.133
- Meine Ergriffenheit, das erkannte ich bald, rührte von dem Gegensatz her, der zwischen der Klarheit und Schönheit dieser Vorstellung und meiner eigenen tatsächlichen Ohnmacht bestand.
- In der Stadt scheint die Stille, auch wenn sie vollständig ist, immer noch von vergangenen Geräuschen erfüllt zu sein.
- Ich verhielt mich genauso dachte ich, wie eine Fliege, der ein grausames Kind den Kopf abgerissen hat und die eine zeitlang nichts von der Verstümmelung zu spüren scheint, bis sie hinfällt und stirbt.
- ....dass der Versuch sich der Autorität des Herrn durch List und Schmeichelei zu entziehen, noch entwürdigender ist als der bedingungslose Gehorsam, kurz, dass ich mit der Unterschrift, die ich unter den Vertrag gesetzt hatte, meine Seele dem Teufel verkauft hatte...
- Um jene Emilia zu besitzen, die ich liebte, und um zu erreichen, dass sie mich so einschätzte, wie ich tatsächlich war, hätte ich sie aus der Welt herausführen müssen, die sie umgab, und in eine Welt versetzen, die so einfach und echt war wie sie, in der das Geld nicht zählte und die Worte unverfälscht geblieben waren, in eine Welt, nach der ich, wie Rheingold mir entgegengehalten hatte, wohl streben konnte, die es aber nicht gab.
- Der Brief auf S.222, sowie das gesamte Ende

"Die Verachtung" gilt nicht nur als bester Film von Regisseur Jean-Luc Godard (mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle), nein es ist viel mehr als das, es ist ein Jahrhundertroman!

Übersetzt aus dem Italienischen von Piero Rismondo
237 Seiten/ Wagenbach Verlag/ 11,90 Euro

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