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Freitag, März 12, 2010

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 79

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche gelesen habe.
Heute: Montauk

Der 1911 in Zürich geborene und 1991 verstorbene Max Frisch hat Gewaltiges erschaffen und erntete dafür nicht nur den Georg- Büchner-Preis oder den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
„Montauk“ ist zweifellos sein persönlichstes Buch. Rund um seinen 63. Geburtstag legt er nicht nur seine Einstellung bezüglich des Lebens, seine Beziehung zu der Verlagsangestellten Lynn, sondern auch seine Verbindung zu Ingeborg Bachmann offen.

- Da Lynn nicht gelesen hat, was ich veröffentlich habe, genieße ich es einmal lauter Gegenteil zu reden.
- ...alles, was ich einsehe, erscheint auch durchführbar, ich muss es nur nicht aussprechen, sondern tun.
- Also nicht weil ich meine, die Öffentlichkeit belehren oder bekehren zu müssen, sondern weil man, um sich überhaupt zu erkennen, ein imaginäres Publikum braucht, veröffentliche ich.
- Jedes erste Mal mit einer Frau; wieder das erste Mal; die Verwunderung ohne Erinnerung.
- Andere können sagen: 5 Jahre im Krieg, 2 Jahre in Gefangenschaft. Ein anderer: 10 Jahre im Lager. Sie wissen warum das Leben so kurz gewesen ist.
- Ich bin dreißig und habe endlich einen Brotberuf, ein Diplom, ich bin dankbar, dass ich eine Stelle habe: acht bis zwölf und eins bis fünf. Ich kann heiraten.
- Auf der sommernächtlichen Terrasse mit Blick über Rom schlafe ich mit dem Gesicht in der eigenen Kotze.
- Man vergibt sich mit seinen Geheimnissen.
- Ich probiere Geschichten an wie Kleider
- Lynn wird kein Name für eine Schuld

Detailliert, schonungslos, sprachgewaltig.

206 Seiten, Suhrkamp Verlag, 8 Euro.

(Mehr über den Autor, siehe die Rezensionen zu Stiller oder Homo Faber)

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Freitag, Oktober 02, 2009

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 62

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, die ich in der jeweiligen Woche gelesen habe.
Heute: "Stiller"

Über den 1991 in Zürich verstorbenen Schriftsteller Max Frisch ist nahezu alles geschrieben worden. Jeder hat seinen Namen schon einmal gehört, aber sein angeblich wichtigstes Werk, haben in Gegensatz zu „Homo Faber“ nicht alle gelesen.
Herr White wird bei der Einreise in die Schweiz festgenommen. Es wir vermutet, dass sein Pass gefälscht und er in Wahrheit der verschwundene Bildhauer Anatol Stiller ist. In seinen Aufzeichnungen bis zur Gerichtverhandlung begibt man sich so auf die Reise nach der Wahrheit.
Die Auseinandersetzung eines Menschen mit sich selbst, herausragende Stilistik und die Begrenztheit des eigenen Ichs.

Einige der besten Zeilen:
- Ein kleiner Italiener singt jedes Mal.
- Ich bin ein unglücklicher, nichtiger, unwesentlicher Mensch, der kein Leben hinter sich hat, überhaupt keines. Wozu mein Geflunker? Nur damit sie mir meine Leere lassen, meine Nichtigkeit, meine Wirklichkeit, denn es gibt keine Flucht, und was sie mir anbieten, ist Flucht, nicht Freiheit, Flucht in eine Rolle. Warum lassen sie nicht ab.
- Ich bin geflohen, um nicht zu morden, und habe erfahren, dass gerade mein Versuch zu fliehen, der Mord ist.
- Ihr Blick drohte mit Sterben.
- Gestern in Davos. Es ist genau so, wie Thomas Mann es beschrieben hat.
- Meine Angst: Die Wiederholung -!
- Denn Trotz ist das Gegenteil von wirklicher Unabhängigkeit.
- S. 241.
- Ich habe keine Sprache für meine Wirklichkeit.
- Es fiel ihm nicht ein, sich zu entschuldigen. Und der Riss blieb offen.
- Es gibt allerlei Arten, einen Menschen zu morden oder wenigstens eine Seele, und das merkt keine Polizei der Welt.
- Wer sich selbst nur immerzu als Opfer sieht, meine ich, kommt sich selbst nie auf die Schliche, und das ist nicht gesund.
- S.149.
- Wenn ich so alleine bin, siehst du, und mich an alles erinnere, das ist das Schlimme, dass man allein nicht darüber lachen kann, oder dann ist es nur so ein böses bitteres Lachen, so dass man später über genau die gleichen Dinge doch wieder heult.
- Aber vielleicht hast Du dich als jemand bewähren wollen, der du gar nicht bist.
- Wenn ein Mensch, ein vertrauter, uns zum ersten Mal hasst, wirkt es ja fast wie eine Farce, aber es war sein wirkliches Gesicht, wahrhaftig, und ihr Lachen gefror.
- Man will Eindruck machen, dort wo man liebt, und wenn es dort nicht gelingt, gehen wir in die Öffentlichkeit!

„Stiller“ ist Weltliteratur, die vor allem aufgrund der unterschiedlichen Lebensvorstellungen und Identitäten eines einzigen Lebens seinen Bann entwickelt.
Das Werk ist einer, der Lieblingsromane von Hermann Hesse gewesen.

4342 Seiten, Suhrkamp Verlag, 10 Euro.

(Siehe hierzu auch die Rezension zu "Homo Faber")

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Freitag, Juli 17, 2009

Buchvorstellung mit Roman L- Ausgabe 57

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche gelesen habe.
Heute: Homo Faber

Der 1991 verstorbene schweizer Schriftsteller Max Frisch gilt als einer der wichtigsten Autoren der Nachkriegsgeneration. Wie auch in seinem 1957 verfassten und als Bericht überschriebenen Roman ist Frischs zentrales Thema die Selbstfindung. Protagonist Homo Faber ist Ingenieur Faber, der nicht an das Schicksal glaubt und scheinbar, unter einigen Anleihen des Ödipus- Mythos, von der Welt eines besseren belehrt werden soll.

Einige der besten Zeilen:
- S.8
- Ich spürte den Magen – wie öfter in der letzten Zeit, nicht schlimm, nicht schmerzhaft, ich spürte nur, dass man einen Magen hat, ein blödes Gefühl.
- Er nickte, ohne zu hören.
- Ob man im Gebirge schwimmen könne?
- Ich schätze das Schach, weil man Stunden lang nichts zu reden braucht. Man braucht nicht einmal zu hören, wenn der andere redet. Man blickt auf das Brett, und es ist keineswegs unhöflich, wenn man kein Bedürfnis nach persönlicher Bekanntschaft zeigt, sondern mit ganzem Ernst bei der Sache ist – „Sie sind am Zug! sagte er.
- Ich habe dann das Gefühl, ich werde etwas wie eine Pflanze, wenn ich nicht rasiert bin, und ich greife unwillkürlich an mein Kinn.
- (die Sonne geht eigentlich nicht unter, sondern ermattet im Dunst)
- Er findet es sinnvoll, obschon unwirtschaftlich, geradezu genial, tiefsinnig (profond) und zwar im Ernst.
- The American way of life: Ein Versuch das Leben zu kosmetisieren, aber das Leben lasse sich nicht kosmetisieren.
- Meine Wohnung Central Park West, war mir schon lange zu teuer, zwei Zimmer mit Dachgarten, einzigartige Lage, kein Zweifel, aber viel zu teuer, wenn man nicht verliebt ist.
- Der Roboter erkennt genauer als der Mensch, er weiß mehr von der Zukunft als wir, denn er errechnet sie, er spekuliert nicht und träumt nicht, sondern wird von seinen eigenen Ergebnissen gesteuert (feed back) und kann sich nicht irren; der Roboter braucht keine Ahnungen –
- Leider waren ihre Augen nicht zu sehen, weil lauter Sonnenbrillen.
- ...Gefühle am Morgen, das erträgt kein Mann. Dann lieber Geschirr waschen.
- mein Fisch, als er endlich kam, war ausgezeichnet, aber schmeckte mir überhaupt nicht.....
- Sie starb noch im gleichen Sommer, und ich vergaß es, wie man Wasser vergisst, das man irgendwo im Durst getrunken hat.
- Wieviele von den Menschen, die unserein trifft, haben denn ein Interesse an meiner Freude, überhaupt an meinen Gefühlen.
- Überhaupt der ganze Mensch! – als Konstruktion möglich, aber das Material ist verfehlt: Fleisch ist kein Material, sondern ein Fluch.

Das Buch ist eines der meistgelesenen Bücher des 20. Jahrhunderts und dies vollkommen zu Recht. Eine spannende, alberne, wie rührselige, aber auch zum Nachdenken anstoßende Geschichte über das Ich und das Drumherum. Weltliteratur!

203 Seiten ,Suhrkamp Verlag, 8 Euro

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