Freitag, November 14, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 37

Jede Woche stelle ich Euch Bücher vor, welche ich in der jeweiligen Woche las.

Heute: Treffen sich zwei
Iris Hanika, 1962 in Würzburg geboren hat es mit ihrem ersten allein verfassten Roman auf die Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises geschafft. In ihrem Werk erzählt sie, wie es der Titel nicht anders vermuten läßt, von der Begegnung zweier Menschen, Mann und Frau, einem Systemtechniker und einer Studienabbrecherin. Ihre Liebe beginnt mit einem Blick, doch dann scheint sie nicht kraftvoll genug den Prägungen, Wünschen und Eigenheiten der beiden Protagonisten standzuhalten, oder doch?

Einige der besten Zeilen:
- Dann verstummte er, dafür krochen seine Augen von unten her über ihr Gesicht und in ihre Augen hinein und so weiter, und seine Lippen krochen gleich hinterher.
- Wo das Schicksal aber zuschlägt, da wächst kein Gras mehr.
- ..sein Gesicht ganz offen, ohne Befestigungsanlagen, hilflos dem Einmarsch der Begierde ausgesetzt.
- Sie legte sich gerade auf den Rücken, zog sich das Laken übers Gesicht und versuchte ganz ruhig zu liegen, aber das Herzgewehr hörte nicht auf zu schiessen.
- S.81
- Das Wunder musste sich fett und voll mit ihnen saugen können, mit ihrer Neugier, ihrer Lust, ihrem Leben.
- Vier Dinge kommen nicht zurück, Indianersprichwort: der abgeschossene Pfeil, das ausgesprochene Wort, die verpasste Gelegenheit, das vierte hatte sie vergessen.
- Er fror nicht von außen, sondern von innen, weil langsam das Leben aus ihm entwich. obei der Mut ihm sank.
- Sie war definitiv nicht mehr online, sondern befand sich ganz eindeutig in der dreidimensionalen Welt jenseits ihres Flachbildschirms, und die griff nun brutal und von allen Seiten zugleich an.
- ..am Freitagabend einen draufmachen, am Samstag die Wohnung putzen und am Sonntag mit der Clique zum Brunch gehen. Wahrscheinlich fuhr er auch zu Ikea um Glühbirnen zu kaufen, und fand den Kantinenfraß dort lecker, bloß weil er mit schwedischer Semantik camoufliert war.
- Dort blieb er sitzen, bis er zerbröselte.

„Treffen sich zwei“ ist die kritische Betrachtung über das „sich selbst im Wege stehen“ bei seinem Liebesglück und trotzdem versöhnlich. Es ist ein Buch der Tiefe und seiner Auswirkungen in der Welt des Greifbaren oder eventuell nur eine Liebesgeschichte von zu erwachsenen.
Iris Hanika ist eine Meisterin der Sprache und kombiniert nicht nur zahlreiche Stile, sondern lässt ihre Geschichte trotz der großen Menge von zauberhaften Sätzen keinen Hauch vom Weg abkommen.

238 Seiten; Droschl Verlag; 19 Euro

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