Freitag, Oktober 12, 2007

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 11

Jede Woche stelle ich Euch Bücher, welche ich in der jeweiligen Woche gelesen habe, vor. Heute: Der dreizehnte Monat


David Mitchell, 1969 in Lancashire geboren und mit dem "John Llewelyn Prize" bereits bedachte, zeichnet in "Der dreizehnte Monat" die titel-implizierte Zeitspanne eines dreizehnjährigen Jungen in Swan Green, einem kleinen Dorf in den Midlands von England, anno 1982. Anhand schulischer Erfahrungen, dem Verhältnis zu seiner Familie, den ersten Freundschaften, aber auch dem Erwachen der sexuellen Anziehung von Frauen, wie etlichen gesellschaftlichen Eindrücken zur Zeit des Falklandkrieges, taucht der Leser in Windeseile in die kindliche Welt ein. Wertanschauungen, Orientierungssuche, Ängste und Glücksmomente des vorpubertären Jason Taylor, eines menschlichen Aussenseiters, der seine eigene Welt finden will.

Einige der besten Zeilen:
-Menschen machen beim Zuhören ein Zuhörgeräusch
-Die Schnäbel der Krähen waren Dolche. In ihren ölig glänzenden Augen lauerten grausame Pläne.
-Das Zimmer in dem ich sterben werde. (Ob es schon gebaut ist?)
-Feuer ist die Sonne, die langsam aus dem Wald aufsteigt.
-Alles was nicht stimmt bei uns, ist eine verborgene Stufe, ob wir nun zu egoistisch sind, zu unterwürfig oder zu sonst wie. Entweder du lebst mit den Folgen, dass du deinen Fehler nie bemerkst oder du bemerkst ihn eines Tages und beseitigst ihn. Der Witz an der Sache ist, sobald du weißt, dass die versteckte Stufe da ist, und denkst: Hey das Leben ist doch gar nicht so scheisse, macht es Rums!, und du fliegst eine ganze Treppe aus verborgenen Stufen runter. Und das hört nie auf.
-Tanzen ist wie durch eine belebte Einkaufsstrasse gehen oder Millionen andere Dinge.
-In der Disco ist es wie im Zoo. Manche Tiere sind wilder als bei Tag, manche lustiger, andere gekünstelter, und wieder andere sind schüchterner oder heißer.
-Etwas wie etwas gibt es nicht! Warum? Weil alles sich immer schon in etwas anderes verwandelt!

Der englische Autor beschreibt in "Der dreizehnte Monat" eine herzzerreissende Suche nach dem persönlichen Lebensweg.
Einer der besten Romanciers unserer Zeit und ein fulminant romantisch-melancholisches Werk.

496 Seiten / Rowohlt-Verlag / 19,90 Euro

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