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Freitag, Januar 08, 2010

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 71

Jede Woche stelle ich euch Bücher vor, welche in in der jweiligen Woche gelesen habe.
Heute: Extrem laut und unglaublich nah

Seit seinem Weltbestseller „Alles ist erleuchtet“ gilt der 1977 geborene Jonathan Safran Foer als Wunderkind der amerikanischen Literaturszene. Im Jahre 2005 erschien sein zweites Werk in Deutschland.
Der neunjährige Protagonist Oskar Schell findet in den Hinterlassenschaften seines Vaters in einem mit dem Wort „Black“ beschrifteten Kuvert einen Schlüssel, woraufhin er sich in ganz New York auf die Suche nach dem passenden Schloss macht.

Einige der besten Zeilen:
- Wie auch immer – faszinierend fand ich, dass laut National Geographic die Zahl der heute lebenden Menschen die Zahl all derer übertrifft, die im Laufe der Menschengeschichte gestorben sind.
- Wenn Limousinen superlang wären, bräuchten sie überhaupt keinen Fahrer. Man könnte einfach hinten einsteigen, durch die Limousine gehen und vorne aussteigen, und dann wäre man am Ziel.
- Mein Lieblingsbuch ist Eine kurze Geschichte der Zeit, das ich allerdings noch nicht durch habe, weil die Berechnungen darin unglaublich schwierig sind und Mom mir dabei keine große Hilfe ist.
- Ich schüttelte die ganze Zeit mein Tamburin, weil ich auf diese Weise nicht vergaß, dass ich immer noch ich selbst war, obwohl ich durch einen fremden Stadtteil ging.
- Sie sah aus als hätte sie geweint, obwohl das nicht sein konnte, denn sie hatte mir einmal erzählt, dass sie ihren Vorrat an Tränen verbraucht habe, als Opa gegangen war.
- „Wir sind etwas oder?“ Doch im Innersten meines Herzens wusste ich die Wahrheit.
- Wir hörten auf zu lachen, ich nahm die Welt in mich auf, ordnete sie neu und sandte sie als Frage wieder aus: „Magst du mich?“
- Furchtbar, dass wir leben müssen, aber tragisch, dass wir nur ein Leben haben, denn wenn ich zwei Leben gehabt hätte, hätte ich eins davon mit ihr verbracht.
- „Ich muss nicht fair sein! Ich bin dein Sohn!“
- Schüchternheit bedeutet, den Blick von etwas abzuwenden, das man haben will. Scham bedeutet, den Blick von etwas abzuwenden, das man nicht haben will.
- Ich habe etwas verloren, das ich nie gehabt habe.

Oskar Schell ist eine Art Holden Caulfield, oder auch vergleichbar mit Oskar Matzeratz, aber abgedrehter, neuzeitlicher, trauriger und witziger.
„Extrem laut und unglaublich nah“ ist eine Offenbarung, weil Foer offenbar seine literarischen Grenzen abstecken wollte, jedoch an keine gestoßen ist. Ein melancholischer, lakonischer Riesenspaß.

Übersetzt von Henning Ahrens

480 Seiten, Fischer Verlag, 9,95 Euro.

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