Freitag, Januar 25, 2008

Buchvorstellung mit Roman L - Ausgabe 16

Aus dem Flieger nach Berlin gepostet:
Nach einer kurzen Pause wegen meines "Triebjagd"-Buchs, der Lesereise, meines Urlaubs, unserer Fersehshow "Blogshow - Nilz und Roman erklären die Welt" und einigem, welches noch nicht verlautet werden darf, heute endlich wieder eine Buchkritik.

Jede Woche stelle ich Euch Bücher, welche ich in der jeweiligen Woche gelesen habe, vor.
Heute: Sweet and Low



Der 1968 in Illinois geborene jüdische Autor und Journalist Rich Cohen erzählt in seinem vierten Buch die Familiengeschichte der Eisenstadts. Auf wahren Tatsachen beruhend umreisst er eine amerikanische Tragödie, wie Komödie von Habgier, Eitelkeiten, wie dem Unausgesprochenen im Industirezeitalter des letzten Jahrhunderts. Es scheint nahezu so als ob in diesem Werk Jeffrey Eugenides Wörter auf die von Jonathan Safran Foer treffen.
Nebenbei wird spielerisch der Einzug des Zuckers und dessen Auswirkung unter den Menschen wie auch die Entstehungsgeschichte des Süßstoffs beleuchtet.

Einige der besten Zeilen:
- Das Wort "zäh" und die Art wie Ben es aussprach, schien seine ganze Kindheit zusammenzufassen.
-Wie alle großen Amerikaner hatte er duie Freiheit, sich selbst zu erfinden.
- So ist es eben mit den Kriegen: Sie wirken endlos weiter.
- Was ist bloß passiert? Wahrscheinlich jede Menge. Oder gar nichts. Ich weiss es wirklich nicht.
- Man nimmt an, dass in der Zeit, als die Menschen noch in Höhlen lebten, Süße ein Indikator dafür war, dass man etwas unbedenklich essen konnte. Bitter hiess Tod.
- und bis schließlich alle Jahreszeiten und Stimmungen in einer einzigen Reihe von Bildern zusammenfielen: ein Segelboot am Kai im August, ein in der Umkleidekabine schlafender Rettungsschwimmer, der Schatten eines vorbeifliegenden Flugzeugs.
-S.185
- Für Großmama Betty war Liebe endlich, ein knappes Gut wie Heizkohle, von dem es nie genug für alle geben kann.
- Es ist genau wie mit der Unendlichkeit. Wenn man zu sehr darüber nachdenkt, wird man verrückt.

Rich Cohen, der unter anderem im "Rolling Stone" publiziert, ist mit "Sweet and Low" eine bittersüße Abrechung von menschlichen Verhalten, wie seiner eigenen Vorfahren gelungen. Das ist frech, sehr amüsant und vor allem mutig.

Übersetzt aus dem Englischen von Nora Lachmann
367 Seiten / S. Fischer Verlag / 19,90 Euro

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