
Samstag 22 Uhr Maximiliansplatz
Nach sechs Wochen ,andauernder Umbauarbeiten eröffnete gestern die neue Filiale des balearischen Franchiseunternehmens "Pacha" seine Pforten anstelle des ehemaligen, in den achtziger und neunzigern angesagten "Nachtcafe". Bereits auf dem Weg von der angestaubten "Schumanns"-Bar ,hin zum roten Teppich, machte sich die Befürchtung in mir breit, keine objektive Sicht dieser Disco wiedergeben zu können, da einige der Besitzer mit mir eng befreundet sind.
Gott sei Dank befinde ich mich heute jedoch nicht in dieser Zwickmühle, aber alles der Reihe nach.
Unsere vier Mann starke Reisegruppe bestehend, aus Steve O, Nilz Bokelberg, Daniel Schustermann und mir, erreichte bei einem geschätzten Alkoholgehalt von insgesamt 4,0 Promille mit dem Taxi gegen 0.40 Uhr den stufigen Aufstieg zum "Pacha". An der Tür erwartete uns, Norbert Schmitz, Türlegende aus besseren "P1"-Tagen und Geschäftsfüher des "Parkcafe", nebst Michi Kern, dem Münchner Grossgastronom und Teilhaber dieser Filiale. Nach einem herzlichen Plausch legten wir aufgeregt und mit leicht schwitzigen Händen den Weg auf dem roten Teppich, gesäumt von logoverzierten Vorhängen zurück und die Tür schwang sich auf.
Frage: Wenn ihr einen neuen Club in München eröffnen würdet, ladet ihr unzählig viele Menschen ein um, die in München leider immernoch wertgeschätzte Schlange vor der Tür zu präsentieren?
Sie taten es nicht. 400 (Offitzielle Zahl, jedoch ist niemand so blöd wirklich nur so Wenige rauszuschicken, da eine gute Resonanzquote bei etwa 80% liegt) handverlesene Gästen wurden mit goldenen Einlasskarten versehen. Etwa 470 Gäste waren gekommen, also doch waren um die 600 Einladungen verschickt (q.e.d). In einem gut übersichtlichen, in erdtönen gehaltene Raum, der im Großen ohne alberne Podestspielerei auskommt, fröhnten die "Discogeilen" dem Alkohol, sowie der Housemusik von Chrissi D (sehr gute Musik, auch wenn sich House seit fünf Jahren überhaupt nicht weiterentwickelt hat).
Die Anlage übermittelte die Vivyl-kompromierten Scheiben, in einer ausgewogenen und homogenen Lautstärke. Jeder Gast hatte seinen Bereich, sprich war die Möglichkeit gegeben ,ohne störende Rempelei einen feucht-fröhlichen Abend zu begehen. An dieser Stelle wirklich ein großes Lob, da anscheindend wirklich dem neuen Credo, der Arroganz abzuschwören und auf die Konsumenten einzugehen, gefolgt wurde.
Die versammtelte Menge zappelte wild und auch wenn etwa 35% des exzellent ausgewählten Premierenpublikums das "Pacha" bereits um 2.30 Uhr verließen, tat das der Stimmung keinen Abbruch. Hier greift einer meiner Kritikpunkte als Erklärungsversuch. Wie in der Bar "Edmoses" oder auch bei dem Veranstaltungsreinfall "Do not Disturb" im BMW-Pavillion ist eine Seite des "Pacha" mit einer fünfzehn Meter breiten Glasfront ausgestattet, die zu jeder Zeit einen Blick nach draußen auf die Straße, sowie die vorbeifahrenden Autos ermöglicht. Meiner Meinung nach, wird und wurde man (in den oben genannten Fällen) so unweigerlich ständig mit dem Gedanken des Heimwegs konfrontiert, was sich wiederum unweigerlich auf den Gemütlichkeitfaktor auswirkt.
Für das Gerücht des Abends sorgte "Ersatz"-Heino und "Pleitegeier" G. (Name verändert), der seiner Ex_freundin (Name verändert) angeblich in einem unbeobachteten Moment Geld aus ihrer Handtasche stahl, um sich anschließend mit drei Prostituierten zu vergnügen, aber das konnte bis dato noch nicht verifiziert werden.
Unsere Reisegruppe hatte alles in Allem viel Spaß, Jux und Tanzerei in einem wirklich gut präsentierten Laden, dem ich allen Erfolg der Welt wünsche.
Das Nachtcafe ist tot, lang lebe das Pacha.